„Netzwerke entscheiden maßgeblich über den Erfolg“ – Unser Geschäftsführer, Dr. Ulrich Vetter im Interview

26. September 2019

Dr. Ulrich Vetter, Geschäftsführer der Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald, ist nicht nur ein interessanter Gesprächspartner, sondern nach eigener Aussage ein begeisterter Netzwerker. Grund genug, ihm in loser Fortsetzung meines letzten Blogposts „Von Netzwerken, Künstlern und überraschender Kommunikation“ ein paar Fragen zu stellen. Danke für die Antworten!

1. Welche Bedeutung haben Netzwerke für die Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald? Welche nutzt die Gesellschaft, welche treibt sie selber voran?
Ulrich Vetter: Ohne Netzwerke wären wir tot, zumindest nicht arbeitsfähig. Netzwerke entscheiden maßgeblich über unseren Erfolg. Ideen und konkrete Projekte lassen sich nur mittels guter Netzwerke – das können sehr verschiedene sein – umsetzen. Oft genügt es, einen Geschäftspartner von uns, einem Vorhaben, einer Vision oder wovon auch immer, zu überzeugen. Dann haben wir im besten Falle ihn gewonnen oder, was nicht minder interessant für uns ist, den Zugang zu dessen Netzwerken erworben. So entsteht binnen recht kurzer Zeit ein sehr umfangreiches Geflecht potenzieller Partner.
Die Kunst besteht darin, in diesem sich stetig vergrößernden Netzwerk die gerade benötigten Kontakte und Partner zu finden bzw. zukunftsweisende Projekte auf den Weg zu bringen. Ich denke, jeder verfügt über ein mehr oder weniger großes Netzwerk. Entscheidend ist, wie kreativ und wach man es nutzt.
2. Welche Rolle spielt das Netzwerken in Ihrem persönlichen Arbeitsalltag? Wie gelingt es?
U.V.: Es ist der wesentliche Teil meiner Arbeit. Das Geheimnis besteht meines Erachtens darin, wirklich am Gesprächspartner interessiert zu sein und ihm die Gewissheit zu vermitteln, dass man selbst strategische, mittelfristige und kurzfristige Ziele verfolgt, deren Substanz man natürlich glaubhaft vermitteln muss. Man muss es verstehen, Neugier und Interesse zu wecken und als Person zu überzeugen. Die wichtigste Botschaft ist man letztlich selbst. Allein dadurch ergibt sich eine Fülle an Möglichkeiten, auf die der Partner, gemäß seiner unmittelbaren Situation, seiner Zukunftsprojekte und Möglichkeiten reagieren kann.
Meine These ist: aus einem gehaltvollen und ehrgeizige Ziele ansteuernden Dialog folgt immer etwas. Manchmal unmittelbar, manchmal später, nie nichts.
3. Gibt es Events, bei denen Sie die Kommunikationsformate besonders gelungen fanden? Was zeichnete sie aus?
U.V.: Was nicht funktioniert, ist Frontalbespielung: Auf dem Podium sitzen diejenigen, die wissen wie es geht. Im Auditorium wird eifrig zugehört und mitgeschrieben – oder abgeschaltet. Mir gefällt, wenn es inspirierende kurze Keynotes oder Impulsvorträge gibt, aber bitte wirklich kurz. Und dann sollte Raum sein für intensive Gespräche. Das ist mehr als Networking nach langweiligen Vortragsveranstaltungen, die ohne ein anschließendes Get-together vermutlich niemand besuchen würde.
4. Mit wem würden Sie persönlich gerne in Kontakt kommen, den Sie bisher nicht kennengelernt haben? Warum?
U. V.: Ich mache die Erfahrung, dass das Beste die Überraschung ist, wenn man auf einen Unbekannten trifft und dieser sich als interessanter Gesprächspartner entpuppt, der – und das ist nicht selten – Inspirationsquelle, Türöffner, Ideenverstärker oder Geschäftspartner wird.
5. Auf welchem Wege kommunizieren Sie am liebsten?
U. V.: Direkt! Ohne Umwege. Am besten bei einem Kaffee im Büro oder – wenn Zeit dazu ist – an einem schönen einladenden Ort. Für ein wirkliches Kennenlernen halte ich das für ganz wichtig. Das lässt sich nicht digitalisieren. Im Anschluss funktionieren für mich alle Kommunikationswege vom Telefon über eMail zu Social Media.
Es mag altmodisch klingen, aber für mich ist der direkte persönliche Kontakt entscheidend. Ich muss ein Bild haben von dem Menschen, mit dem ich eventuell kooperieren möchte. Ich muss wissen, wie er denkt, welchen Hintergrund er hat, welche Ziele er anstrebt. Ist er mir sympathisch, kann ich ihm trauen. Diese Fragen beschäftigen mich.
6. Wenn Sie sich ein Unternehmen wünschen könnten, das sich bei Ihnen in der Region ansiedelt, welches wäre es? Und warum?
U. V.: Wir sind nicht festgelegt und wollen uns auch nicht einengen. Je vielfältiger, desto besser und desto robuster stellt sich die gesamte wirtschaftliche Situation der Region dar.
Es gibt nur ein Kriterium, das erfüllt sein sollte. Willkommen sind alle Unternehmen, die innovative Verfahren oder Produkte haben, die nachhaltig produzieren und damit zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und auch morgen noch im Wettbewerb bestehen.
7. Wenn Sie jetzt sofort das Budget für die Gründung und den Betrieb eines eigenen Netzwerkes geschenkt bekämen, wie würde das Netzwerk heißen? Welchem Zweck würde es dienen? Wie würde es funktionieren?
U. V.: Für die Netzwerke, die uns weiterhelfen, brauchen wir kein besonderes Budget. Wir schaffen sie, indem wir einfach unsere Arbeit tun, die im Wesentlichen darin besteht, Netzwerke zu etablieren. Das ist nicht nur kostengünstig, sondern hochgradig effektiv.
Das Interview führte Franziska Berge.
Quelle: https://www.bergeconsulting.de/wirtschaftsfoerderung-und-netzwerken-7-fragen-an-dr-ulrich-vetter